Berichte

120 Jahre Wiking Bregenz

1900 wurde mit Wiking Bregenz der zweite Ruderverein – nach Neptun Konstanz 1885 – am Bodensee ins Leben gerufen. Der Bregenzer Ruderverein wurde von den Brüdern Eugen und Viktor Sohm, die schon Rudererfahrung in einem zerlegbaren Zweier gesammelt hatten, sowie Friedrich Eyth, als Mitglied des Rudervereins Hansa aus Triest heimgekehrt, gegründet.

Der Verein zählte im Gründungsjahr 8 Mitglieder. Zunächst wurden gebrauchte Boote erworben, als Bootshaus diente ein Holzschuppen auf Höhe des heutigen Casinos. Zum Einsetzen wurde der Gondelhafen genutzt. 1906 errichtete die Stadt Bregenz das „Sporthaus“ (heute Wirtshaus am See) mit integriertem Bootshaus und übergab es gleich mehreren Sportvereinen zur Nutzung.

Nach 1918 boomte der Rudersport, der Bootspark wuchs, das Sporthaus wurde zu klein. Erfindungsreich wurden nahegelegene Schuppen bzw. ein Eisenbahnwaggon für die Bootsunterbringung adaptiert.

Die Aufnahme von Frauen in den Verein wurde vom Vereinsausschuss 1940 genehmigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg okkupierten die französischen Besatzer das Bootshaus. Neben den Besatzern verursachte heimischer Vandalismus großen Schaden an den Ruderbooten, die zum Teil im See treibend und schwer beschädigt geborgen und wieder in Stand gesetzt wurden.

Ab den 1950er Jahren herrschte erneut akute Raumnot. Um einen Achter unterzubringen, wurde gar ein Tunnel unter die Terrasse des Sporthauses gegraben. Gut Ding braucht Weile. 1970 konnte der Ruderverein Wiking das mit Unterstützung von Stadt, Land und Verein neu errichtete Vereinshaus im Sporthafen beziehen, das nach einem Erweiterungsbau im Jahr 2000, auch heute noch unser Clubheim ist.

Die unterschiedlichen Interessen des Breiten- und des Leistungssports führten 1996 zu einer Spaltung des Vereins. Der RV Lochau wurde gegründet. 2003 wurde der RV Lochau ruhend gestellt und dessen Mitglieder wurden wieder Mitglieder des RV Wiking Bregenz.

Augenzwinkernd schwärmen heute noch manche Vereinsmitglieder vom Juli 1999. Ein außergewöhnliches Hochwassser ermöglichte es angeblich, von der überschwemmten Bootshalle direkt in den See zu rudern, wodurch man sich das lästige Boote-Schleppen ersparte.

Die Österreichische Indoor-Meisterschaft war 2010 in Bregenz zu Gast.

Im Juni 2019 blockierte das Schwemmholz in Form eines geschlossenen Holzteppichs den Sporthafen und machte den Trainingsbetrieb fast unmöglich.

Im Frühjahr 2020 brachte Covid 19 den Trainingsbetrieb und das Vereinsleben zum Stillstand. Ab Wiederaufnahme des Ruderbetriebs unter entsprechenden Vorschriften, mussten wir uns auf einmal überlegen, wo die Staatsgrenzen auf dem See verlaufen.

 

Neben zahlreichen Teilnahmen und Erfolgen bei sportlichen Großveranstaltungen seien folgende gesondert erwähnt:

1954 EM Amsterdam: Silber für den Frauen 4x+ (Elisabeth Kaibisch-Reitsberger, Lore Kafka-Isbert, Sigrid Freuis-Höfle, Hilde Unterberger-Reif, Stfr. Irma Roth-Peter).

1994 gewinnt Wiking Bregenz die Vereinsmannschafts-Staatsmeisterschaft.

Monika Felizeter qualifiziert sich nach Silber 1994 bei der Junioren WM, München im 4x und Silber 1995 bei der Junioren WM, Posen im 2x, 1996 für die Olympischen Spiele in Atlanta.

Auch heute vertreten unsere jungen Leistungssportler*innen (Schüler, Junioren und U23) unseren Verein bei nationalen und internationalen Regatten sehr erfolgreich. Die zahlreichen bei den Österreichischen Meisterschaften gewonnenen Medaillen und Meistertitel zeigen die sehr gute Arbeit, die im Leistungssport geleistet wird.

Ebenso wurde und wird der Masters-Sport aktiv betrieben. Unsere derzeit erfolgreichste Masters-Dame ist Ute Simma, die nicht nur bei den Österreichischen Mastersmeisterschaften und bei den  World-Rowing-Mastersmeisterschaften mehrfach siegreich war, sondern auch 2016 und 2019 die „Rose vom Wörthersee“ gewann.

 

Wir haben in Summe 357 Mitglieder (davon 60 Jugendliche und 206 aktive Erwachsene). Der Großteil der Mitglieder frönt dem Breitensport, der ein sehr weites Spektrum von leistungsorientierten Sportler*innen bis zum Genussruderer abdeckt. Neben dem alltäglichen Training werden zahlreiche Wanderfahrten, Tagesausflüge, Mondscheinausfahrten und natürlich Vereinsfeste veranstaltet. Die im Verein anfallenden Aufgaben werden zur Gänze ehrenamtlich erfüllt. Die Vereinsfarben sind die Farben der Stadt Bregenz: schwarz-weiß. Wir sind Mitglied der Sportunion und Mitglied der IRB (Internationale Rudergemeinschaft Bodensee).

 

Was wir uns wünschen? Mehr ruderbegeisterte Jugendliche.

Worum wir uns bemühen? Eine Gemeinschaft zu leben und zu pflegen, in dem jedes Mitglied seinen/ihren Rudersport mit Freude ausüben kann.

Was wird immer schwieriger? Mitglieder für die ehrenamtlich auszuführenden Arbeiten zu motivieren.

Was wird leichter? Sich dank WhatsApp u.ä. zu gemeinsamen Ausfahrten zu organisieren.

Wofür sind wir dankbar? Auf einem großen, grenzenlosen See mit Trinkwasserqualität rudern zu dürfen.

Das nächste Großprojekt? Coastal Rowing?

31.07.2020, Ute



















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