1 Sieg bzw. 5 Podestplätze bei der 1. Österreichischen Regatta im Coastal Rowing in Bregenz
Coastal Rowing entwickelte sich aus dem Rudern auf dem Meer bzw. an Meeresküsten - aufgrund des möglichen hohen Wellengangs unterscheiden sich die Boote signifikant von denen, die beim traditionellen „Flachwasser“-Rudern verwendet werden: sie sind im Allgemeinen robuster und daher auch schwerer, außerdem werden sie in Richtung Heck sehr flach und sind am Heck offen, damit eingedrungenes Wasser abfließen kann. Der unruhige Bodensee hat den Bregenzer Ruderern das Leben oft schwer gemacht, eignet sich nun aber gut für die Coastal-Variante des Ruderns, welche in den letzten Jahren einen enormen Zuwachs an Popularität erfuhr – vor kurzem wurde die Coastal-Disziplin „Beach Sprint“ sogar ins Olympische Programm ab 2028 aufgenommen; dabei sprinten die Athleten vom Start an Land zu ihrem Boot, rudern einen relativ kurzen Kurs, landen wieder und sprinten ins Ziel.
Nachdem beim RV Wiking Bregenz bereits einige Zeit über die Ausrichtung einer Coastal Regatta geredet wurde, stellte das Organisationsteam um Manfred Carotta, Christian Kaizler und Klaus Floriani nun in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Ruderverband (v.a. in der Person Wolfgang Sigl, Verantwortlicher des ÖRV für Coastal Rowing) dieses Event auf die Beine. Bei der Durchführung der Regatta stand dann auch das Trainerteam des RV Wiking mit helfender Hand zur Seite. In Ermangelung eines Sandstrands am Bodensee und da die Aufnahme des „Beach Sprint“-Formats ins olympische Programm zum Zeitpunkt der Ausschreibung der Regatta noch nicht bekannt war, wurde die erste in Österreich und auch am Bodensee durchgeführte Coastal Rowing Regatta in der Disziplin „Endurance“ durchgeführt: Im Gegensatz zum traditionellen Rudern, wo die Wettkampstrecke gerade und in der allgemeinen Klasse 2000 m lang ist, wird dieses Format über Rundkurse und nicht fix vorgegebene Distanzen (etwa 4-6 km) ausgetragen. Der Bregenzer Rundkurs vor dem Sporthafen und dem Strandbad war 5eckig (4 Wenden nach Steuerbord, 1 nach Backbord), 1,9 km lang und musste zweimal umrundet werden. Um die Sache beim ersten Mal zu vereinfachen, wurden alle Rennen im Doppelzweier (Abkürzung: 2x) gerudert.
Insgesamt gab es 7 Rennen: Im Elitebereich und bei den Junioren A (also 17/18jährige) jeweils männlich, weiblich und mixed, zusätzlich gab es ein Rennen in der Masters-Klasse (in der man ab 27 Jahren starten kann), bei dem der Anteil an Männern bzw. Frauen und das Alter der Crews nach dem sog. „Welser System“ einen Korrekturfaktor für die tatsächlich geruderte Zeit ergibt, es also nach der Ankunft im Ziel noch zu Verschiebungen der Platzierungen kommen kann. Die Rennen der Frauen und Masters wurden aufgrund der kleineren Starterfelder in einem gemeinsamen Lauf ausgetragen.
Ironischerweise präsentierte sich der Bodensee am Wettkampftag mit glattem, eigentlich fürs „Flachwasser“-Rudern gut brauchbarem Wasser... Dennoch kamen die Zuschauer, die dem teilweise kräftigen Regen trotzten, auf ihre Rechnung und bekamen spannende Rennen zu sehen, bei denen das richtige Ansteuern der bzw. das Wenden um die Richtungsbojen oft ein mitentscheidender Faktor für den Erfolg waren.
Insgesamt gut 60 Aktive nahmen die Rennen in Angriff, die meisten davon aus Österreich, 14 vom RV Wiking Bregenz. Die Teilnahme von Aktiven aus dem benachbarten Lindau, der Schweiz und sogar einer britisch/niederländischen Renngemeinschaft machte das Event zu einer internationalen Regatta. Viele Sportler starteten in 2 Rennen.
Zu den Rennen:
Coastal Männer Doppelzweier (CM2x):
9 Boote waren am Start, darunter auch 2 Bregenzer Boote: Alexander Meßmer/Dominik Reimann und Felix Behnke/Fabian Kienreich. Das Siegerboot, das sich bereits recht früh auf der ersten Position festsetzen konnte, war die Renngemeinschaft See-Club Zug/44 West Atlantic Team (Kurt Struzina/Matthias Fernandez) aus der Schweiz und hatte mit Fernandez einen U23-Weltmeister des Jahres 2017 an Bord. Aber bereits unmittelbar dahinter konnten sich Alex/Dominik ebenfalls schon auf der 1. Runde an die 2. Position setzen und gaben diese bis ins Ziel nicht mehr her – Gratulation zu Silber. Bronze ging an den Wiener Ruderclub Pirat. Auch Felix/Fabian schlugen sich gut und belegten hinter der Renngemeinschaft Möve Salzburg/STAW den 5. Rang.
Coastal Juniorinnen Doppelzweier (CJW2x):
Im 8-Boote-Feld war der RV Wiking Bregenz wieder mit 2 Crews vertreten: Amelie Stenzel/Ina Vonach und Pia Schwarz/Helena Anwander-Schrott. Der WSV Ottensheim (Franziska Schmid/Theresa Berger) holte sich in überlegener Manier Gold, Silber und Bronze gingen an die Renngemeinschaft aus Klagenfurt (Nautilus/Albatros) und Donau Linz. Amelie/Ina holten nach spannenden Positionskämpfen hinter dem Wiener Ruderclub Pirat den 5. Rang. Im Kampf mit unserem Nachbarverein aus Lindau um den 7. Rang hatten Pia/Helena schließlich das schlechtere Ende für sich und wurden 8.
Coastal Junioren Doppelzweiier (CJM2x):
Unter den 10 startenden Booten kam eines aus Bregenz: Jerrik Giselbrecht/Laurin Natter. Wie bereits bei den Mädels konnte sich der WSV Ottensheim (Justus Gschaider/Jonathan Klaritsch) durchsetzen und Gold gewinnen. Silber holte sich der Salzburger Ruderklub Möve, Bronze ging and den 1. Wiener Ruderclub LIA. Jerrik und Laurin konnten sich im Mittelfeld klassieren und belegten den 6. Rang. Dagegen musste das Boot des Wiener Ruderclubs Pirat das Rennen wegen eines Skullbruchs aufgeben.
Coastal Frauen Doppelzweier (CW2x):
Hier stellte der RV Wiking 2 von 3 teilnehmenden Booten: Sarah Reimann/Ute Simma und Julie Praeg/Anna Fröwis. Das Rennen wurde wie erwähnt gemeinsam mit dem Coastal-Masters-Rennen (bei dem kein Bregenzer Boot teilnahm) in einem Lauf gestartet, womit doch 9 Boote vom Start losruderten. Die beiden Bregenzer Boote schenkten einander nichts, es kam auch zu der einen oder anderen Berührung - am Ende gewannen Sarah/Ute Gold und Julie/Anna Silber und holten damit einen Doppelsieg für den RV Wiking Bregenz! Bonze ging an die Wiener Renngemeinschaft LIA/STAW.
Coastal Junioren Mixed-Doppelzwier (CJMix2x):
In diesem Rennen gab es mit 11 Booten das größte Starterfeld. 2 der Boote waren mit Bregenzer Beteiligung unterwegs: Amelie Stenzel in einer Renngemeinschaft mit Noah Roidmayer (Möve Salzburg) und Ina Vonach in Renngemeinschaft mit Zoard Lipcsey (LIA Wien). Das 1. Boot des Wiener Ruderclub Pirat (Paul Oberbauer/Sophie Gerhold) konnte dieses Rennen gewinnen, die Silbermedaille ging an die Renngemeinschaft 1. Wiener Ruderclub LIA/RV Donau Linz, während Bonze an Nautilus Klagenfurt ging. Amelie/Noah ruderten auf den guten, aber undankbaren 4. Rang. Ina/Zoard lagen im hinteren Mittelfeld und belegten den 8. Rang.
Coastal Mixed-Doppelzweier (CMix2x):
Hier starteten 9 Boote – 4 Bregenzer Damen starteten in Renngemeinschaft: Sarah Reimann mit Leopold Wiesinger (STAW), Ute Simma mit Norbert Dulbinski (Möve Salzburg), Julie Praeg mit Benedikt Neppl (LIA Wien) und Anna Fröwis mit Alexander Lewis (Pirat Wien). Da Alexander Meßmer auch noch kurzfristig einsprang und mit Laura Flandorfer eine 2. Renngemeinschaft Wiking/STAW bildete, waren insgesamt 5 Boote mit Bregenzer Beteiligung am Start. Den Sieg holte sich aber die Renngemeinschaft Wiener Ruderclub Pirat/1. Wiener Ruderclub LIA mit Levi Weber/Clara Berger. Die Plätze 2 bis 6 und damit auch Silber und Bronze gingen an Boote mit Bregenzer Beteiligung: Leopold/Sarah (Silber), Norbert/Ute (Bronze), Benedikt/Julie (4.), Alexander/Laura (5.) und Alexander/Anna (6.).
Der RV Wiking Bregenz war somit nicht nur als Regattaveranstalter, sondern auch als teilnehmender Verein erfolgreich, mit Sarah Reimann (1x Gold, 1x Silber) stellte man auch die erfolgreichste Starterin dieser Regatta.
Die Siegerehrung wurde schließlich von Landesrätin Martina Rüscher, dem Bürgermeister der Stadt Bregenz Michael Ritsch und dem Sport-Stadtrat der Stadt Bregenz Michael Felder durchgeführt, auch der ÖRV war mit Vizepräsidentin Birgit Steininger und dem Coastal-Rowing-Verantwortlichen Wolfgang Sigl hochrangig vertreten. Wiking-Obfrau Anna Pollak durfte sich am Ende gemeinsam mit dem Organisationsteam über eine gelungene Regatta freuen – es ist sogar nicht unwahrscheinlich, dass die 1. Österreichischen Meisterschaften im Coastal Rowing 2024 in Bregenz stattfinden werden...
Hier gehts zum Regattabericht auf www.rudern.at